Teil eines Werkes 
2. Theil (1849)
Entstehung
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Was iſt Dir, Kind, fragte Frau Hedwig, biſt Du krank? Ich will nicht hoffen.

Bei dieſer Frage von Seiten der ſanften und gutigen Frau, die ſo lange Mutterſtelle an ihr ver⸗ treten hatte, brach Marie in Thränen aus, ergriff Frau Hedwigs Hände, drückte ihr Antlitz darauf, wie um es zu verbergen, und weinte nun heftiger.

Um Gott! rief Frau Hedwig, theueres Kind, was iſt Dir? Zwar kenne ich dieſe Erregung bei der Braut kurz vorm Altare, dieſe Beklommenheit jungfräulicher Schüchternheit, die auch Dich befängt, und ehre ſie; auch ich weinte an meinem Hochzeits⸗ tage an der Bruſt meiner nun längſt in Gott ruh⸗ enden verklärten Mutter; noch erinnere ich mich wohl des Gefühls, welches damals meine Thränen hervorrief; es war ein heiliges und durchſchauerte mich ſchon vom frühen Morgen an; zwiſchen Gebet und frommen Entſchlüſſen verging mir der wichtigſte Feſttag meines Lebens keinesweges in lauter Freude, die ich Anderen überließ. Auch Du, Marie, ſcheinſt, wie ich wohl bemerkt habe, dieſe Bewegung zu fühlen, und anſtatt ſie zu tadeln oder Dich aufzu⸗ fordern zu Luſt und Heiterkeit, wie ſie wohl manche

von Deinen Geſpielinnen von Dir erwarten mögen,