denn ihre bündiſch gefunken Obervögte zwangen ſie mit „Gewalt dazu. Zu Urach hauste Dieterich Spät, des Herzogs bitterſter Feind. Er brachte in wenigen Tagen ſo viel Mannſchaft auf, daß er nicht nur ſein ganzes Amt im Zaume hielt, ſondern auch Einfälle in die Lände⸗ reien machte, die dem Herzog wieder zugefallen waren. Es ging auch das Gerücht, die Bundesſtände ſeien ſchnell von Nördlingen aufgebrochen, Jeder in ſeine Heimath geeilt, um friſche Heere aufzubieten und Ulerich zum zweitenmal auf Leben und Tod zu bekämpfen.
Ulerich ſelbſt ſchien weder der einen noch der andern dieſer Beſorgniſſe Raum zu geben. Er pflog bei ver⸗ ſchloſſenen Thüren mit Ambroſius Volland Rath. Man ſah viele Eilboten kommen und abgehen, aber Niemand
erfuhr, was ſie brachten. In Stuttgart aber glaubte
man feſt, der Herzog müſſe in der fröhlichſten Stim⸗ mung ſein, denn wenn er mit ſeinem glänzenden Ge⸗ folge durch die Straßen ritt, alle ſchöne Jungfrauen grüßte und mit den Herren an ſeiner Seite ſcherzte und lachte, da ſagten ſie:„Herr Ulerich iſt wieder ſo luſtig, wie vor dem armen Konrad.“ Er hatte ſeinen Hofſtagt wieder glänzend eingerichtet. Zwar war es nicht mehr
wie früher der Sammelplatz der baieriſchen, ſchwabi⸗
ſchen und fränkiſchen Grafen und Herren, zwar fehlte die Fürſtin, die ſonſt einen ſchönen Kranz blühender Fräulein um ſich verſammelt hatte, aber dennoch fehlte es nicht an ſchönen Frauen und ſchmucken Edeln, ſeinen Hof zu verherrlichen, und die Luft dieſer Stadt ſchien ſchon damals der Schönheit ſo günſtig zu ſein, daß die bunten Reihen in den Sälen und Hallen des Schloſſes
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