Teil eines Werkes 
17. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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ſtrebte, ſeine tiefe Bewegung zu unterdrücken:Du warſt mein einziger Freund in der Noth, und in hun⸗ dert Proben habe ich Deine Treue bewährt gefunden, Du kannſt es mit Würtemberg nicht ſchlimm meinen. Ich fühle, es iſt einer der wichtigſten Schritte meines Lebens, und ich gehe vielleicht einen gewagten Gang. Aber wo es das Höchſte gilt, muß man Alles wagen.

Der Ritter von Lichtenſtein richtete ſein greiſes Haupt auf; in den weißen Wimpern hingen Thränen. Er er⸗ griff Ulerichs Hand:Bleibet, rief er,nur diesmal, diesmal folget meiner Stimme. Mein Haar iſt grau, ich habe lange gelebt, Ihr erſt drei Jahrzehnte. Indem ertönten die Trommeln der Landsknechte in dem Hof. Das ungeduldige Stampfen der Roſſe drang herauf und die Herolde ſtießen, zur Huldigung rufend, in die Trompeten.

Jacta alea esto! war der Wahlſpruch Cäſars, ſagte der Herzog mit muthiger Miene.Jetzt gehe ich über meinen Rubicon. Aber Dein Segen möchte mir frommen, alter Mann, zum Rath iſt es zu ſpät!

Der Ritter blickte ſchmerzlich aufwärts. Die Stimme verſagte ihm, er drückte ſegnend ſeines Herzogs Rechte an die Bruſt. Noch zögerte Ulerich bei ihm, da ſtreckte der Kanzler den langen, dürren Arm unter dem gelben Mäntelein hervor, und winkte ihm mit der Pergament⸗ rolle. Er war anzuſchauen, wie der Verſucher, dem es gelingt, eine arme Seele mit ſich hinab zu ziehen. Ule⸗ rich von Würtemberg riß ſich los und ging, um ſich von ſeiner Hauptſtadt huldigen zu laſſen.

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