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4 89 „Ich weiß nicht, was Ihr für Gründe habt, Herr Kanzler,“ ſagte der Jüngling, indem ſein Auge noch immer von Unmuth ſtrahlte,„die Sachen ſo auf die Spitze zu ſtellen, und dem Herrn Herzog zu Maßregeln zu rathen, die ihn überall— ja ich ſage es, die ihn über⸗ all als einen Tyrannen ausſchreien müſſen. Wenn es nur Dienſteifer iſt, ſo habt Ihr diesmal ſchlecht gedient.“ Der Kanzler ſchwieg und warf nur einen grimmigen, ſtechenden Blick aus den grünen Auglein auf den jungen Mann. Der Herzog aber ſtand auf und ſprach:„Laß mir mein Kanzlerlein gehen; diesmal freilich war er zuſtrenge. Da— nimm Deinen roſenrothen Freund mit Dir. Gib ihm zu trinken auf die Todesangſt, und dann mag erlau⸗ fen, wohin er will. Und Du, Hund von einem Ooktor, der Du zu ſchlecht zu einem Hundedoktor biſt, für Dich iſt ein würtembergiſcher Galgen noch zu gut. Gehängt wirſt Du doch noch einmal, ich will mir die Mühe nicht geben. Langer Peter, nimm dieſen Burſchen, binde ihn rückwärts auf einen Eſel und führe ihn durch die Stadt. Und dann ſoll man ihn nach Eßlingen führen— zu den hochweiſen Räthen, wo er und ſein Thier hingehören. Fort mit ihm!“ Die Züge des Doktor Kahlmäuſer, in welchen ſchon der Tod geſeſſen war, heiterten ſich auf. Er holte freier Athem, und verbeugte ſich tief. Peter, Staberl und der Magdeburger fielen mit grimmiger Freude über ihn her, luden ihn auf ihre breite Schultern und trugen ihn weg. Der Rathsſchreiber von Ulm vergoß Thränen der
Rührung und Freude. Er wollte dem Herzog den Man⸗ tel küſſen, doch dieſer wandte ſich ab und winkte Georg,
den Gerührten zu entfernen.


