Teil eines Werkes 
13. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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und hager, mit kuͤhner Habichtsnaſe und ſcharfen Au⸗ gen, war er als der thätigſte und glücklichſte Fiſcher, der unternehmendſte Kletterer nach Vögeln und Dau⸗ nen, der fleißigſte Feldarbeiter auf den Inſeln, und dabei als der geldgierigſte Händler auf dem Markte zu Kirchwall bekannt; aber da ſeine Waaren gut und ſein Wandel frei von Betrug war, ſo handelte Jeder gern mit ihm, und Wilm Falke(ſo nannten ihn ſeine Landsleute) und Kaſpar Strumpf, mit welchem Erſterer trotz ſeiner Habſucht gerne ſeinen ſchwer errungenen Gewinn theilte, hatten nicht nur eine gute Nahrung, ſondern waren auch auf gutem Wege, einen gewiſſen Grad von Wohlhabenheit zu erlangen. Aber Wohlha⸗ benheit allein war es nicht, was Falke's habſüchtigem Gemüthe zuſagte; er wollte reich, ſehr reich werden, und da er bald einſehen lernte, daß auf dem gewöhn⸗ lichen Wege des Fleißes das Reichwerden nicht ſehr ſchnell vor ſich ging, ſo verfiel er zuletzt auf den Ge⸗ danken, er müßte ſeinen Reichthum durch irgend einen außerordentlichen Glückszufall erlangen, und da nun dieſer Gedanke einmal von ſeinem heftig wollenden Geiſte Beſitz genommen, fand er für nichts Anderes Raum darin, und er fing an, mit Kaſpar Strumpf davon, als von einer gewiſſen Sache zu reden. Dieſer, dem Alles, was Falke ſagte, für Evangelium galt, er⸗ zählte es ſeinen Nachbarn, und bald verbreitete ſich das Gerücht, Wilm Falke hätte ſich entweder wirklich dem Böſen für Gold verſchrieben, oder hätte doch ein Anerbieten dazu von dem Fürſten der Unterwelt be⸗ kommen.