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haltung,“ entgegnete der Student.„Mir, ich geſtehe es, iſt nichts ſo verhaßt, als Geſpenſtergeſchichten.“
„Ei, da denke ich gerade das Gegentheil,“ rief der Zirkelſchmied.„Mir iſt es recht behaglich bei einer rech⸗ ten Schauergeſchichte. Es iſt gerade wie beim Regen⸗ wetter, wenn man unter dem Dach ſchläft. Man hört die Tropfen tick, tack, tick, tack auf die Ziegel herunter rauſchen und fühlt ſich recht warm im Trockenen. So, wenn man bei Licht und in Geſellſchaft von Geſpenſtern hört, fühlt man ſich ſicher und behaglich.“
„Aber nachher?“ ſagte der Student.„Wenn Einer zugehört hat, der dem lächerlichen Glauben an Geſpen⸗ ſter ergeben iſt, wird er ſich nicht grauen, wenn er allein iſt und im Dunkeln? Wird er nicht an alles das Schauerliche denken, was er gehört? Ich kann mich noch heute über dieſe Geſpenſtergeſchichten ärgern, wenn ich an meine Kindheit denke. Ich war ein mun⸗ terer, aufgeweckter Junge und mochte vielleicht etwas unruhiger ſein, als meiner Amme lieb war. Da wußte ſie nun kein anderes Mittel, mich zum Schweigen zu bringen, als daß ſie mich fürchten machte. Sie erzählte mir allerlei ſchauerliche Geſchichten von Hexen und bö⸗ ſen Geiſtern, die im Hauſe ſpuken ſollten, und wenn eine Katze auf dem Boden ihr Weſen trieb, flüſterte ſie mir ängſtlich zu: Hörſt Du, Söhnchen? Jetzt geht er wieder Treppe auf, Treppe ab, der todte Mann. Er trägt ſeinen Kopf unter dem Arm, aber ſeine Augen glänzen doch wie Laternen, Krallen hat er ſtatt der Finger, und wenn er Einen im Dunkeln erwiſcht, dreht er ihm den Hals um,“


