Teil eines Werkes 
12. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

88

Bewaffneten bewachten alle ſeine Bewegungen, und ſo oft er ſich umſchaute, drohten ſie ihm mit ihren Spießen; einmal aber, als das Pferd des einen ſtrau⸗ chelte, wandte er den Kopf ſchnell um und erblickte zu

ſeiner Freude den Alten, ſeinen Reiſegefährten, welchen

er unter den Todten geglaubt hatte.

Endlich ſah man in der Ferne Bäume und Zelte; als ſie näher kamen, ſtrömte ein ganzer Schwall von Kindern und Weibern entgegen, aber kaum hatten dieſe einige Worte mit den Räubern gewechſelt, als ſie in ein ſchreckliches Geheul ausbrachen und alle nach Said hinblickten, die Arme gegen ihn aufhoben und Verwünſchungen ausſtießen.„Jener iſt es,“ ſchrien

ſie,„der den großen Almanſor erſchlagen hat, den tapferſten aller Männer; er muß ſterben, wir wollen ſein Fleiſch dem Schakal der Wüſte zur Beute geben.“ Dann drangen ſie mit Holzſtücken, Erdſchollen und was ſie zur Hand hatten, ſo furchtbar auf Said ein, daß ſich die Räuber ſelbſt ins Mittel legen mußten. „Hinweg ihr Unmündigen, fort ihr Weiber!“ riefen ſie, und trieben die Menge mit den Lanzen ausein⸗ ander;„er hat den großen Almanſor erſchlagen im Gefecht, und er muß ſterben, aber nicht von der Hand eines Weibes, ſondern vom Schwert der Tapfern.“

Als ſie unter den Zelten auf einem freien Platz angelangt waren, machten ſie Halt; die Gefangenen wurden je zwei und zwei zuſammengebunden, die Beute in die Zelte gebracht, Said aber wurde einzeln gefeſſelt und in ein großes Zelt geführt. Dort ſaß ein alter, prachtvoll gekleideter Mann, deſſen ernſte, ſtolze

—