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erzählen, als ein ſchlichter Handwerksburſche wie Unſer⸗ einer. Mich müßte alles trügen, oder Ihr ſeid ein Student, ein Gelehrter.“ †
„Ein Gelehrter nicht,“ lächelte der junge Herr, „wohl aber ein Student und will in den Ferien nach der Heimath reiſen; doch was in unfern Büchern ſteht, eignet ſich weniger zum Erzählen, als was Ihr hie und dort gehöret. Darum hebet immer an, wenn an⸗ ders dieſe da gerne zuhören.“
„Noch höher als Kartenſpiel,“ erwiderte der Fuhr⸗ mann,„gilt bei mir, wenn Einer eine ſchöne Geſchichte erzählt. Oft fahre ich auf der Landſtraße lieber im elendeſten Schritt und höre Einem zu, der neben her⸗ geht und etwas Schönes erzählt; Manchen habe ich ſchon im ſchlechten Wetter auf den Karren genommen, unter der Bedingung, daß er etwas erzähle, und einen Kameraden von mir habe ich, glaube ich, nur deß⸗ wegen ſo lieb, weil er Geſchichten weiß, die ſieben Stunden lang und länger dauern.
„So geht es auch mir,“ ſetzte der junge Goldar⸗ beiter hinzu,„erzählen höre ich für mein Leben gerne, und mein Meiſter in Würzburg mußte mir die Bücher ordentlich verbieten, daß ich nicht zu viel Geſchichten las und die Arbeit darüber vernachläſſigte. Drum gib nur etwas Schönes preis, Zirkelſchmied, ich weiß, Du könnteſt erzählen von jetzt an, bis es Tag wird, ehe Dein Vorrath ausginge.“
Der Zirkelſchmied trank, um ſich zu ſeinem Vortrag z8 ſtärken, und hub alsdann alſo an:


