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„Wenn es Euch erheitert, edle Jungfrau, und Euch nicht Beſchwerde macht, edler Bachus, wie auch Euch nicht unangenehm iſt, mein Herr und Ritter Roland, ſo will ich eines ſingen.“ Und er ſang eine ſchoͤne Weiſe voll zarter Töne und Worte, klangvoll und zierlich ge⸗ füget, ſo daß man wohl merken konnte, es ſei ein Lied eines alten Meiſters von 1400 oder 1500. Verflogen ſind ſeine Worte aus meinem Gedächtniß, aber ſeine Weiſe möchte ich doch wohl finden, denn ſie war einfach und ſchön, und Petrus begleitete ihn mit einem ſonoren, herrlichen Sekund. Die Luſt des Geſanges ſchien über alle herabzukommen, denn als Andreas geendet, ſang Judas unaufgefordert ein Lied, und ihm folgten die Übrigen. Selbſt Roſe, ſo ſehr ſie ſich zierte, mußte ein Lied von 1615 ſingen, was ſie mit angenehmer, etwas zitternder Stimme vortrug. Mit dröhnendem Baß ſang Roland eine Kriegshymne der Franken, von welcher ich nur einige Worte verſtand, und endlich, als ſie alle ge⸗ ſungen, ſchauten ſie auf mich, und Roſe nickte mir zu, etwas zu ſingen. Da hub ich denn an:
Am Rhein, am Rhein, da wachſen unſre Reben, Da wächst ein deutſcher Wein,
Da wachſen ſie am Ufer hin und geben Uns dieſen Labewein.
Sie lauſchten, als ſie dieſe Worte hoͤrten, ſie nickten ſich zu und rückten näher zuſammen; und die Entfern⸗ teren ſtreckten die Köpfe vor, als wollten ſie kein Wort
verlieren. Muthiger erhob ich meine Stimme, lauter und immer lauter war mein Geſang, denn es wogte in mir wie Begeiſterung, vor ſolchem Publikum zu ſingen.
W. Hauffs Werke. V. 9


