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„Othello? gewiß, ein herrliches Kunſtwerk; auch mich ſpricht ſelten eine Muſik ſo an wie dieſe, und ich fühle mich auf Tage lange feierlich, ich möchte ſagen heilig bewegt, wenn ich Desdemona's Schwanengeſang zur Harfe ſingen gehört habe.“
„Hoͤren Sie es? Er kommt von Petersburg, von Warſchau, von Berlin, Gott weiß woher,— ich habe ihn nie geſehen, und dennoch ſchätzt er Othello ſo hoch. Wir müſſen ihn einmal wieder ſehen. Und warum ſoll er nicht wieder gegeben werden? Wegen eines Mährchens, das heutzutage Niemand mehr glaubt.“
„Freveln Sie nicht,“ rief die Fürſtin,„es ſind mir Thatſachen bekannt, die mich ſchaudern machen, wenn ich nur daran denke; doch wir ſprechen unſerem Schieds⸗ richter in Räthſeln; ſtellen Sie ſich einmal vor, ob es nicht ſchrecklich wäre, wenn es jedesmal, ſo oft Othello gegeben würde, brennte.“
„Ach, wieder ein Gleichniß,“ fiel Sophie ein,„doch es iſt noch viel toller, das Mährchen ſelbſt!“
„Nein, es ſoll einmal brennen,“ fuhr die Mutter fort.„Othello wurde zuerſt als Drama nach Shakſpeare gegeben, ſchon vor fünfzig Jahren; die Sage ging, man weiß nicht woher und warum, daß, ſo oft Othello ge⸗ geben wurde, ein gewiſſes Evenement erfolgte; nun alſo unſer Brennen; es brannte jedesmal nach Othello. Man machte den Verſuch, man gab lange Zeit Othello nicht; es kam eine neue geiſtreiche Ueberſetzung auf, er wird gegeben— jener unglückliche Fall ereignete ſich wieder. Ich weiß noch wie heute, als Othello, zur Oper verwandelt, zum erſtenmal gegeben wurde; wir lachten


