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zu neu und unerwartet kam; als aber Rantow ins Ein⸗ zelne einging und ihm erzählte, was in jener Schre⸗ ckensnacht vorgefallen ſei, als er ihm entdeckte, wie un⸗ günſtig gegenwärtig die Verhältniſſe ſeien, da ſtand Jener nicht länger an, die Hülfe, die ihm geboten wurde, anzunehmen; er bat Albert, ihm, wenn es möglich wäre, Gelegenheit zu verſchaffen, mit Anna zu ſprechen. Der Gaſt aus der Mark dachte einige Augenblicke nach, ob er dies möglich machen könnte; Anna hatte ihn zwar ſelbſt nie auf ihr Boudoir im Thurm einge⸗ laden, aber er hoffte in ſolcher Begleitung nicht unwill⸗ kommen zu ſein; das Einzige, was ihn hätte abhalten können, war die Furcht vor dem Zorn ſeines Oheims, im Fall dieſe Zuſammenkunft entdeckt würde; aber die Luſt, wo er nicht ſelbſt die Rolle übernehmen konnte,
wenigſtens die Intrigue zu unterſtützen, Wht⸗ über jede
Bedenklichkeit; er winkte dem jungen Willi, ihm zu folgen. Der Gang nach Anna's Thurm war ihm be⸗ kannt. Nach der Lage ihrer Fenſter mußte ihr Gemach noch zwei Stockwerke höher liegen, als der Saal. Sie ſtiegen eine enge, ſteile Treppe von Holz hinan, die unter jedem Tritte, ſo behutſam ſie auch ſtiegen, ächzte. Zum nicht geringen Schrecken begegnete ihnen auf dem erſten Stock der alte Hans, der ſie verwundert anſah. Albert winkte ſeinem Gefährten, nur immer voranzu⸗ gehen; er ſelbſt nahm, ohne in ſeiner Beſtürzung zu bedenken, ob es klug ſein möchte, den alten Diener auf die Seite:„Hans!“ ſagte er,„wenn Du deinem Herrn ein Wort—„Oh,“ erwiderte jener ſchlau lächelnd, „da hat es gute Wege, ſo wenig als in jener Nacht, da


