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„Ich beſuche Verwandte meiner Mutter,“ erwiderte der Fremde;„je nachdem ſie und die Reſidenz mir ge⸗ fallen, werde ich länger oder kürzer verweilen.“
„Wir werden uns ſchwerlich wieder ſehen,“ ſagte der Grüne,„ich wüßte wenigſtnes nicht, was mich nach Stuttgart treiben ſollte. Vergeſſen Sie aber nie, was ich Ihnen über den Charakter meiner Landsleute ſagte. Können Sie nach ihrer Denkungsart, nach ihren Sitten ſich ein wenig richten, ſo werden Sie überall geſucht und willkommen ſein. Unſern Damen ſind Sie dann als Fremder nur um ſo intereſſanter und unſern Män⸗ nern— nun da kömmt es immer auf den Zirkel an, in welchem Sie leben; nur müſſen Sie,“ ſetzte er mit einem Lächeln hinzu, das zwiſchen Ironie und gutmü⸗ thiger Freundlichkeit ſchwebte,„nie zu deutlich und fühlbar machen——*
„Nun?“ rief der Fremde erwartungsvoll, als Jener innehielt,
„Daß Sie kein Deutſcher, ſondern ein Preuße ſind.“
Das ſchmetternde Horn des Poſtillons und das Raſ⸗ ſeln des ſchweren Wagens auf dem Steinweg übertönte die Antwort des Fremden. Den Paſſagiren ward in
dieſer Stadt eine kleine Raſt vergönnt, und der Fremnge
wollte ſeinen Nachbar im Eilwagen noch einmal zum Frühſtück einladen. Doch ſchon unter der Thüre des Poſthauſes überreichte dieſem ein alter Reitknecht mehre Briefe; er riß den einen haſtig, erröthend auf, und ſein Reiſegefährte b. te im Vorübergehen, daß ner Dame ſei. Der Fremde trat etwas verſtimmt in dem Wirthshan e


