Teil eines Werkes 
4. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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ſich nicht verſagen, einen kleinen Triumph über Jenen zu feiern. Er machte ihn mit der Geläufigkeit der Zunge und jener Uebung, über ein Nichts ſchnell und Vieles zu ſprechen, die man im Norden unſeres Vaterlan⸗ des häufiger als im Süden treffen ſoll auf andere große Vorzüge aufmerkſam, welche die nördlichen Pro⸗ vinzen Deutſchlands vor den ſüdlichen voraus haben. Er zählte immer zwanzig Schriftſteller und Dichter ſeiner Heimath gegen einen im Süden, und der Schwabe konnte endlich dem Schwall ſeiner Beredſamkeit nur dadurch Einhalt thun, daß er, als ſie um eine Ecke der Landſtraße bogen, auf die erhabenen Ruinen von Heidel⸗ berg hinwies; der Fremde betrachtete ſie ſtaunend und mit Entzücken. Ihre röthlichen Steinmaſſen waren von der ſinkenden Herbſtſonne noch höher geröthet, und der Abend ließ die Bäume und Geſträuche, die in den ver⸗ fallenen Mauern wachſen, im dunkelſten wundervollſten Grün erſcheinen. Durch die hohen, offenen Fenſterbo⸗ gen blickte der ſchwärzliche Wald hervor, den Gipfel des Berges umzog jener duftige Schleier, welcher allen Gegenſtänden ſo eigenen geheimnißvollen Reiz verleiht, und von oben herab ſpiegelten ſich die röthlichen Abend⸗ wölkchen und der dunkelblaue Himmel in den Fluten der Neckars. Und haben Sie ſolche Poeſie in der Mark? fragte der Jäger mit gutmüthigem Lächeln.

Der Fremde ſchien es nicht zu hören; unverwandt hin

gen ſeine Blicke an dieſem reizenden Schauſpiel; er mochte fühlen, daß es ſich an ſolchen Stellen über Poeſie nicht gut ſtreiten laſſe.