182
„Wie, doch nicht Palvi?“ rief der Stallmeiſter, ergrimmt über das ſchlechte Betragen eines Mannes, den er geachtet hatte.
„Er ſelbſt,“ flüſterte Eliſe und drückte ihre wei⸗ nenden Augen in ihr Tuch.
Der Stallmeiſter überließ das unglückliche Mädchen einige Minuten der Erinnerung an einen tiefen Kum⸗ mer, hatte er ja doch ſelbſt dieſe Pauſe nöthig, um ſich zu ſammeln. Liebe, Mitleiden, ſo viele andere Em⸗ pfindungen ſtürmten auf ihn ein, riſſen ihn hin, Eli⸗ ſens Hand zu ergreifen und ſie an ſeine brennenden Lippen zu ziehen. Erſchreckt, überraſcht blickte ſie ihn an; doch ſchien ein günſtiges Gefühl für ihn ihren ſtra⸗ fenden Blick zu mildern. G
„Und darf ein Mann,“ ſprach er bewegt,„zu Ihnen von Liebe reden, nachdem Sie ſo Bitteres von uns er⸗ fahren? Darf er ſagen, er würde treu ſein bis in den Tod, wenn Sie mir nur einen Theil jener Liebe ſchen⸗ ken könnten, die Jener ganz beſaß?“
„Julius, was fällt Ihnen ein?“ rief ſie mit beben⸗ den Lippen, doch ohne ihm ihre Hand zu entziehen. „Wozu—“
„Eliſe,“ fuhr er fort,„ich kann einem ſo großen und ſchönen Herzen, wie das Ihrige iſt, wenig Troſt geben; aber die Zeit mildert, und kann nicht treue und aufmerkſame Liebe ſelbſt ſchönere Vorzüge erſetzen?“
Sie wollte antworten, ſie erröthete und ſchwieg, aber ihren Blick voll Liebe und Wehmuth durfte er günſtig für ſich deuten; er ſchloß ſie in ſeine Arme und küßte ihren ſchönen Mund.


