180
war wieder hergeſtellt, der Punſch, den der alte Rem⸗
pen als Nachſatz von geſtern gab; löste die Zungen, man fühlte ſich weniger beengt, ſeit die öffentlichen Schiedsrichter hinweggegangen waren; man ſprach all⸗ gemein das Lob des vorgeleſenen Romans aus. Auch ſiee Toaſts wurden nicht vergeſſen, und als Julius von Rempen die Geſundheit aller wahrhaften Dichter und ihrer gründlichen Kritiker ausgebracht hatte, wagte es Eliſe mit glänzenden Augen, aber tief erröthenden Wangen die Geſellſchaft aufzufordern, auf das Wohl des neuen Hüon und der letzten Ritter von Marien⸗ burg zu trinken.
9.
Eliſe hatte dem Stallmeiſter, als er beim Nach⸗ hauſefahren neben dem Wagen ritt, erlaubt, ſie den andern Tag zu beſuchen; er kam, er fand ſie allein und gütiger gegen ihn geſinnt als je. Sie neckte ihn über ſeine Eingriffe in die literariſche Welt und rieth ihm, nie etwas drucken zu laſſen, denn er habe alle Recen⸗ ſenten gegen ſich aufgebracht.
„Und ſind denn nicht auch Sie mir einige Minuten gram geweſen,“ fragte er lächelnd,„weil es einer Ihrer Freier war, den ich entlarvte?“
„Einer meiner Freier?“ fragte ſie hocherröthend. „Zundler? Sie irren ſich.“
„O, Sie ſchenkten ihm oft ein geneigtes Ohr,“ fuhr er fort,„verabſchiedeten mich oft mitten im Geſpräch, um auf die Worte dieſes großen Dichters zu lauſchen!“
„Gewiß nicht, Rempen!“ antwortete ſie verlegen.
——-——


