Teil eines Werkes 
3. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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1.

Das Karneval war nie in Stuttgart mit ſo großem Glanz und Pomp gefeiert worden, als im Jahr 1737. Wenn ein Fremder in die ungeheuren Säle trat, die zu dieſem Zwecke aufgebaut und prachtvoll dekorirt waren, wenn er die Tauſende von glänzenden und fröhlichen

Masken überſchaute, das Lachen und Singen der Menge hörte, wie es die zahlreichen Fanfaren der Muſikchöre

übertönte, da glaubte er wohl nicht in Würtemberg zu ſein, in dieſem ſtrengen, ernſten Würtemberg, ſtreng geworden durch einen eifrigen, oft ascetiſchen Prote⸗ ſtantismus, der Luſtbarkeiten dieſer Art als Ueber⸗ bleibſel einer andern Religionspartei haßte; ernſt, bei⸗ nahe finſter und trübe durch die bedenkliche Lage, durch Elend und Armuth, worein es die ſyſtematiſchen Kunſt⸗ griffe eines allgewaltigen Miniſters gebracht hatten. Der prachtvollſte dieſer Freudentage war wohl der zwölfte Februar, an welchem der Stifter und Erfinder dieſer Luſtbarkeiten und ſo vieles Andern, was nicht gerade zur Luſt reizte, der Jud Süß, Kabinetsminiſter und Finanzdirektor, ſeinen Geburtstag feierte. Der Heerzog hatte ihm Geſchenke aller Nai am Morgen dieſes Tages zugeſandt; das Angenehmſte aber für den

Kabinetsminiſter war wohl ein Edikt, welches das Datum