Teil eines Werkes 
2. Bändchen (1846) Sämmtliche Werke
Entstehung
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Briefe geſchrieben und war gerade mit Ordnen ſeines kleinen Gepäcks beſchäftigt, als Faldner in das Zimmer trat. Fröben ſah ihn verwundert an und erwartete neue Angriffe und Ausbrüche ſeines Zorns. Jener aber ſagte: Ich glaube, je mehr ich dieſe unglücklichen Zeilen leſe, die ich heute Mittag auf Deinem Zimmer fand, immer mehr, daß Du eigentlich doch unſchuldig an der miſe⸗ rablen Hiſtorie biſt, nämlich, daß Du vorher nichts wußteſt und die Perſon nicht kannteſt; daß ich mein Weib in Deinen Armen traf, verzeihe ich Dir, denn jene Perſon hatte aufgehört mein zu ſein, als ſie den thörichten Brief an Dich ſchrieb. 3

Es iſt mir wegen unſeres alten Verhältniſſes er⸗ wünſcht, antwortete Fröben,wenn Du die Sache ſo anſiehſt, hauptſächlich auch, weil ich dadurch Gele⸗ genheit bekomme, vernünftig und ruhig mit Dir über Joſephe zu ſprechen. Fürs erſte mein heiliges Wort, daß zwiſchen ihr und mir bis heute Mittag nie, auch früher nicht, etwas vorging, was im geringſten ihrer Ehre nachtheilig wäre; daß ſie arm war, daß ſie ein⸗ mal genöthigt war, die Hülfe der Menſchen anzuru⸗ fen 4

Nein, ſag lieber, daß ſie bettelte, rief Faldner hitzig,und Nachts auf den Straßen und Brücken der liederlichen Hauptſtadt umherzog, um Geldzu verdienen; ich hätte ja ſchon damals das Vergnügen ihrer nähern Bekanntſchaft haben können, ich war ja bei der rühren⸗ den Scene auf dem Pont des Arts. Nein, wenn ich Dir auch alles glaubte, ich bin dennoch beſchimpft; die Familie Faldner und eine Bettlerin! W. Hauffs Werke. II. 40