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Und der Diener, der ihm eben ſo ſtolzen Schrittes folgt, erinnert er nicht durch das ſpitzbübiſche, dumm⸗ dreiſte Geſicht, durch die fremdartige, grelle Kleidung, durch das ungenirte Weſen, womit er um ſich ſchaut, Alles angafft und doch nichts bewundert, an jene Diener im ſpaniſchen Luſtſpiel, die ihrem Herrn wie ein Schatten treu, an Bildung tief unter ihm, an Stolz neben ihm, an Liſt und Schlauheit über ihm ſtehen? Unter dem Arm trägt er ſeines Gebieters Sonnenſchirm und Regen⸗ mantel, in der Hand eine ſilberne Büchſe mit Cigarren und eine Lunte.
Wer blieb nicht ſtehen, wenn dieſe Beiden langſam durch die Promenade wandelten, um ihnen nachzuſehen? b Es war aber bekanntlich Niemand anders, als Don Pedro de San Montanjo Ligez, der Haushof⸗ meiſter des Prinzen von P., der ſich zu jener Zeit in
Stuttgart aufhielt, und Diego, ſein Diener.
Wie es oft zu gehen pflegt, daß nur ein kleines, geringes Ereigniß dazu gehört, einen Menſchen berühmt und auffallend zu machen, ſo geſchah dies auch mit dem jungen Fröben, der ſchon ſeit einem halben Jahr(o lange mochte er ſich wohl in Stuttgart aufhalten) alle Tage Schlag zwei Uhr durch das Schloßportal in die
3 Bneaeagen dreimal um den See und fünfmal den breiten Weg auf und nieder ging, an allen den glän⸗ zenden Eguipagen, ſchönen Fräulein, an einer Maſſe von Direktoren, Räthen und Lieutenants vorüberkam
und von Niemand beachtet wurde, denn er ſah aus wie ein ganz gewöhnlicher Menſch von etwa achtu bis dreißig Jahren. Seitdem er aber eines N 1
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