Ob aber nicht dieſer Bildungsgang auf der andern Seite auch nachtheilig auf das Talent des Jünglings wirkte— die Beantwortung dieſer Fragen überläßt der Biograph billig dem Ausſpruche der Kritik. Genug, der ſo früh⸗ zeitig auf eigenthümlichem Wege gebildete Jüngling ſah ſich, da ſein Glaubensbekenntniß über Gott und die Welt— es mochte vielleicht etwas leicht und leichtſinnig ſein— fertig war, ruhig in Literatur und Kunſt um, und war, als er die Univerſität bezog, vielleicht ein weit ſchlechterer Philolog als ſeine Kameraden, aber ein weit reiferer Menſch.
Bis hieher reichen die Mittheilungen von Wilhelm Hauffs älterem Bruder, Doktor Hermann H auff, dem ich großentheils wörtlich nacherzählt habe. Ueber Wilhelms Untverſitätsleben ſchließen ſich dieſem Ge⸗ währsmanne die Berichte ſeiner Jugendfreunde an. Sie erzählen, daß ihr Freund auch anfangs noch in Tübin⸗ gen eine ſehr ſchwankende Geſundheit gehabt und ihnen oft bange gemacht habe, jedoch unerwartet ſchnell er⸗ ſtarkt, und zu völligem Wohlſein gekommen ſei. Nur großen körperlichen Anſtrengungen war er nie gewachſen, und zu den ritterlichen Fertigkeiten des Burſchenlebens zeigte er wenig Geſchick. Nichts deſto weniger nahm ſein Geiſt lebendigen Antheil an Allem, was jugendliche Gemüther in jener Periode begeiſtert, und er that ſich unter den Dichtern und Rednern der damals mit dem Zugeſtändniſſe der Behörden blühenden Burſchenſchaft hervor, ohne daß darum ſeine Altersgenoſſen den künf⸗ tigen Schriftſteller in ihm geahnt hätten. Den engern
Kreis ſeiner Freunde ergötzte er durch ſeine glücklichen


