Teil eines Werkes 
1. Theil (1827)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

189 der ganzen Wahrheit ſeines kraͤftigen Geiſtes durch⸗ fuͤhrte.

Eine wirklich unerkuͤnſtelte Bepeiſterung reißt immerhin, ſelbſt die ungleichartigſten Charaktere; aber lange zittert der Ton nur in gleichgeſtimm⸗ ten Seelen nach. Darum hatte auch Leontine laͤngſt ſchon Worte, als Theophiliens Bruſt ſich noch kaum durch ein paar Seufzer zu entladen wagte, und das harmloſe Auge des froͤhlichen Geſchoͤpfs ſah ſchon wieder recht gemuͤthlich und unbefangen in das Treiben der geſchaͤftigen, hin und her wogenden Menſchenmaſſe, als ein paar andere Augen ſich hinter dem ſchuͤtzenden Schleier fluͤchteten, um dort ungeſehn uͤberzugehn vor unendlichem Weh und unendlicher Ruͤhrung.

Die Graͤfin ſprach wenig, denn gekraͤnkte und geſchmeichelte Eitelkeit kaͤmpften noch immer in ihr. Dabei ging der Schmerz uͤber des Freun⸗ des Verluſt unter. So ſind wir Menſchen! unſre ganze Freundſchaft und Liebe iſt nichts als der vergoldete Rahm unſers eignen Bildes, das wir in andern anbeten.

Man wage es nur, die frevelnde Hand-nach