fegte. Die Wittwe ſchauerte vor Froſt und Ban⸗ gen. Sie wickelte ſich feſter in die blaͤhende Huͤlle, es ward ihr ſeltſam zu Muthe, und das Herz pochte ihr ungeſtuͤm. Jetzt fuhren ſie die Straße herauf, im Hauſe des Syndikus ſchim⸗ merte Licht.„Dort winkt der Pharus uns in den Hafen!“ ſagte er freudig:„wir ſind im ſichern Port, und der Sturm mag nun raſen wie er will. Ich ſehe den Schatten meiner Frau am Fenſter, ſie wird nach meiner Ankunft ausſehen.“
Der Wagen hielt. Mit bloͤdem Zagen ſtieg die Wittwe die Treppe hinan, und der Syndi⸗ kus fuͤhrte ſie ſeiner Frau zu, und erklaͤrte mit wenig Worten die Umſtaͤnde, denen ſie dieſe Gaͤ⸗ ſtinn zu verdanken haͤtten; ſie reichten jedoch hin, ihr die beſte Aufnahme zu gewaͤhren. Die ſeltene, aber wahre hausfraͤuliche Kunſt, es allen Men⸗ ſchen ſogleich und innig wohl um ſich zu machen,
verſtand die Frau des Syndikus vollkommen; ihr
Herz war die Heimath der Menſchenliebe, und eine milde Zuflucht fuͤr Leidende. Sie errieth bald, daß die Tochter des Regierungsraths zu


