17
„Phoͤbe?“ wiederholte die Tante ſcharf, und ein hoͤhniſches Laͤcheln flog um ihren Mund, da ſie hinzuſetzte:„mein Bruder— Dein Va⸗ ter, war doch in allen Dingen ſeltſam! ſein poetiſcher Geſchmack liebte das Ungereimte.— Eine chriſtliche Taufe und ein nytholsgſche Nahme!“—
Phoͤbe fuͤhlte ſich tief von dieſer Auſſerung verletzt; ihre kindliche Verehrung hing ſchwaͤr⸗ meriſch an den vollendeten Eltern, vorzuͤglich an dem juͤngſtverlohrenen Vater, der ihr das Idol jeder Tugend und Trefflichkeit geweſen war. Die gekraͤnkte Empfindung fuͤr ihn, uͤberwand demnach die ſchaamhafte Scheu, ein natuͤrliches Geheimniß hier und jetzt zu of⸗ fenbaren, und hocherroͤthend erwiederte ſie: „ich bin zu meinem Nahmen gebohren! meine Mutter, da ſie mich unter ihrem treuen Herzen trug— verweilte oft im Kunſtſaale der Graͤfinn Mimoſa, vor einer Statue der jungfraͤulichen Goͤttinn, die ihr beſonders gefiel, und als ich zur Welt kam, trug ich das Zeichen der Nacht an meiner Stirne.“ Sie ſtrich die vollen,


