Druckschrift 
Tante und Nichte
Entstehung
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des Beſitzes machte hier einen laſtenden Ein⸗ druck auf das Gemuͤth, in dem kein Beifall aufkommen konnte. Ein weibliches Gemaͤhlde in vergoldetem Rahmen, ward durch die Unbe⸗ deutenheit einiger Kupferſtiche ohne andern Werth, als den vielleicht die Vorliebe fuͤr die Landſchaften ihrer Gegenſtaͤnde darauf legen wollte, hervorgehoben. Es war ein Knieſtuͤck; das Portrait einer jungen Dame, und zwar ei⸗ nes von Denen, welchen man, ohne das Ori⸗ ginal zu kennen, die Ahnlichkeit anſieht, weil es vom Geiſte des Kuͤnſtlers in aͤchten Seelenzuͤ⸗ gen aufgefaßt iſt. Es war ein blaſſes, zartge⸗ bildetes Geſicht, nicht eben ſchoͤn. Mit gro⸗ ßen, dunklen Augen ſchauete es duͤſter in den Wuſt des Zimmers hinab, die gleichguͤltige Miene, melancholiſch ſchattirt, ſchien dieſes laͤ⸗ ſtigen Überfluſſes, dieſer zahlloſen Beduͤrfniſſe der Menſchen zu ſpotten; das Ganze hatte et⸗ was Leidendes, das durch ſeine Sanftheit an⸗ ſprach, und der Reiz einer ruhigen Geduld dar⸗ uͤber ausgegoſſen, waͤre vielleicht der hoͤchſte die⸗ ſes Bildes zu nennen geweſen. Ein verwelkter