Druckschrift 
Der Colibri und Die Ruine : zwei Erzählungen / von Henriette Hanke, geb. Arndt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

393

für ihn geſchaffne Weſen, die zweite Hälfte des ſeinigen. Er bitte um die Erlaubniß, die Ge⸗ liebte im Hauſe ihrer Eltern aufzuſuchen und ihnen ſeine Abſicht offen darzulegen.

Wann Du von Struenſee wiederkehrſt,⸗ antwortete der Vater dringend:»dann Adolar, dann! wollen wir darüber ſprechen. Es eilt nicht, mein Sohn, Du biſt noch ſehr jung. Ver⸗ kürze Deinen Vater nicht um einen Tag, der länger auf Beruhigung warten müſſen.

Die Eiferſucht des weiblichen und mütter⸗ lichen Herzens iſt ein ahnungsvolles Gefühl. Es war, als ob Sara ein leiſes Wiſſen davon hätte, welchen Auftrag ihr Sohn von ſeinem Vater em⸗ pfangen. Sie ſtand verdüſtert und verweint an jenem Fenſter, ihrem Schmollwinkel, als Adolar Abſchied zu nehmen kam.Meine liebe Mutter, ſagte er: ⸗ich ſuche Dich, Dir Lebewohl zu ſagen. Du ſiehſt blaß aus und ſcheinſt bekümmert; ver⸗ birgſt Du mir vielleicht, daß Du Dich kränker fühlſt, wie Du mir den Anblick Deiner Thränen entziehſt?e Sara ſah den Juͤngling zärtlich mit

naſſen Augen an.