Nein, Iſolde! weihe dieſe Seele, ſo gränzen⸗ loſer Hingebung, jedes Opfers fähig, einem wür⸗ digen Manne!l und pflanze die Blume der Glück⸗ ſeligkeit in ſein Haus. Mich aber laſſe ſchlafen. Die Natur ſorgt ſchon für den Frühlingstraum meines Schlummers und für ein Tröpfchen Thau,
das an der öden Zeitloſe hängt.⸗
Iſolde ſchwieg lange; das wallende Herz mußte erſt auszittern, ehe ſie aus tiefſtem Grunde ſprach:»als die Mutter ſterbend war und ich an ihrem Lager zagte: da ſchaute ſie mich mit einem Blicke an, der in mein Innerſtes drang, und ſagte mit leiſen Lippen: mögteſt du, daß ich länger noch lebte? Dieſe Frage zerriß mir das Gemüth; ich ſah ſtumm zum Himmel auf. So ſetze mein Leben fort, redete die Selige weiter, ſo ſchwach, daß ich es kaum vernehmen konnte: in Liebe für meine Mutter. Sie iſt mein theuer⸗ ſtes Vermächtniß an dich. Der Liebe verlohnt es ſich, auch der unerwiederten, und die Treue, dieſer göttliche Schimmer, ſteht als ein Engel an unſerm Sterbebett. Es war in der Nacht, ach! ich vergeſſe es wohl nie— ich wachte allein:


