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Bitterkeit des Todes den Lippen abzunehmen, die ohne Bewußtſeyn Gotteslaͤſterungen aus⸗ ſprachen.
Der Morgen brach an, eine Weile hatte ſie beſinnungslos gelegen, da rief ſie ihrer Zofe zu:„Marie, meine Juweelen, meine Krone, meine Diamantenkrone, geſchwind!“
Scharf und kreiſchend war ihre Stimme, das Maͤdchen nahm den ſchimmernden Kopf⸗ ſchmuck aus dem Behaͤlter. 1
„Sehen kann ich nicht, aber laß mich ſie fuͤhlen,“ lispelte das ſterbende Weib,„wie eine Koͤnigin will ich den Tod empfangen.“
Das Maͤdchen gab den Schmuck in ihre Hand; krampfhaft preßten ihre Finger das Diadem; ſie ſammelte noch die Kraft, ihre Arme aufzuheben, um das Geſchmeide auf ihrer Stirn zu befeſtigen. Ein geiſterhaftes Laͤcheln, in welchem Todespein und Triumph ſich ver⸗ miſchte, zuckte auf ihren Lippen und ſie ver⸗ ſchied.
Drei lange Tage hindurch ſprach man mit Verwunderung von ihrem Tode. Die Maͤnner zuckten die Achſeln, Frauen ſeufzten und bar⸗ gen ihre Geſichte hinter Faͤchern! Man ver⸗


