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„Soll ich mit Dir gehen, Roſalinde?“
„Nein,— o nein,— ich muß allein ge⸗ hen;— im Saale liegen Buͤcher und etwas Deutſche Muſik;— es wird auch unbezweifelt
Geſellſchaft fuͤr Dich da ſeyn.— Ich bitte
Dich, Margrete Raymond, blick' nicht ſo ſtolz auf mich; es gibt Geheimniße, die wir dem Hauche der Luft, nicht einmal anvertrauen duͤr⸗ fen.“
Sie wartete nicht auf Antwort, befeſtigte
die Hespe ihres Mantels und war aus dem
Zimmer geſchluͤpft, bevor Margrete noch ein
Wort ſagen konnte. Ein aͤhnliches Geheimniß⸗ Weſen war ſo ungewoͤhnlich, ihr ganzes Be⸗ tragen ſo befremdend, unerklaͤrlich, ſchroff, durchaus den Gewohnheiten der fanften Roſa⸗
Ainde widerſtreitend, daß Margrete ſich von ih⸗
rem Erſtaunen gar nicht erholen konnte.— Freilich hatte ſie in der lezten Zeit oft Nieder⸗ geſchlagenheit an ihr bemerkt, und ein ſehn⸗
fuͤchtiges Verlangen, ſich der Geſellſchaft zu entziehen, um ſich in der Einſamkeit ihres Zim⸗ mers den ſelbſtgeſchaffenen Traumbildern zu
uͤberlaßen, da, wo niemand ſie ſehen, niemand
ſie hoͤren konnte; aber ſchroff, oder unfreundlich
hatte Margrete ſie nie zuvor gekannt.


