Teil eines Werkes 
1. Bd. (1836)
Entstehung
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30.

umſchloßenen Haare noch mehr von der Stirn zuruͤck und betrachtete ſie einige Momente ſchwei⸗ gend; andaͤchtig ſchlug ſie alsdann des Kreuzes Zeichen, auf der glatten Stirnflaͤche und kuͤßte eben ſo andaͤchtig den, alſo von ihr geheiligten Fleck; wiederum ſchaute ſie dahin und mur⸗ melte, das heilige Zeichen am Ende jeglicher Zeile wiederholend:

Kreuz am Morgen

Macht dem Böſen Sorgen

Kreuz am Abend

Iſt Engel erlabend;

Kreuz, bei dem geboren werden, Wahrt den Geiſt vor dieſer Erden; Kreuz

Sie ſtockte in ihrer einfaͤltigen Reimerei, wiederholte einigemal:Kreuz Kreuz. Nu, mag mir Gott gnaͤdig ſeyn, ma Vour⸗ nin, ich habe die lezte Zeile vergeßen. Och! laͤſtig iſt der alte Kopf, der zu denken vergißt, wenn's alte Herz auch's Gefuͤhl nicht vergeßen kann; habt Ihr's nicht behalten, Liebchen?

Wie, ſollt' ich's behalten, gute Amme, erwiederte Roſalinde,Euer Kreuz iſt nicht mein Glaube.