„Jezt wollen Sie mir erzählen, daß die Augen von ganz Berlin, vielleicht vom ganzen preußiſchen Staat auf meine arme Perſon gerichtet ſind— nicht wahr? während ich doch die Ueberzeugung habe, daß höchſtens ein Dutzend Menſchen ſich ſehr oberflächlich um mich kümmern.“
„Es iſt eine Schwäche der unbedeutenden Menſchen, ſich einzubilden, daß die Augen der ganzen Welt auf ſie gerichtet ſind; und es iſt eine Manie gewiſſer ausgezeichneter Perſonen, ſich einzubilden, daß ſie unſichtbar, wie verhüllte Gottheiten, durch die Welt gehen. Hier, wie dort, iſt es ein Irrthum, aber dort iſt er ſchmeichelhaft, hier bequem.“
„Das mag fein und richtig bemerkt ſein,“ entgegnete Tosca ruhig;„nur ich.. gehöre nicht zu denen, die ſich durch fremde Augen geſchmeichelt oder genirt fühlen, und ich bleibe bei meiner Meinung, daß der Brief Sie allein betrift.“
„Dann lohnt's nicht der Mühe, hinzugehen.“
„O bitte, bitte! lieber Ignaz, gehen Sie hin! erzählen Sie mir, wie man ſich benimmt bei ſo einem geheimnißvollen Rendezvous.“
„Ob es nicht Spitzbuben ſind, die mich ausplündern wol⸗ len? der Thiergarten ſoll nicht ganz geheuer ſein.“
„Laſſen Sie Uhr und Geldbeutel zu Haus und nehmen Sie ein Piſtol mit.“
„Oder ob es nicht tout bonnement eine Bettelei ſein wird?“
„Nun, ſo nehmen Sie den Geldbeutel mit.“
„Und ſo früh! neun Uhr! da muß ich um ſieben auf⸗ ſtehen.“
„Wenn Sie ſo lange Zeit auf Ihre Toilette verwenden wollen,“ rief Tosca lachend,„ſo iſt das ein unverkennbares


