Druckschrift 
Sigismund Forster / von Ida Gräfin Hahn-Hahn
Entstehung
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— 194—

ohne an Ignaz zu denken.„Allein... wie ich ſie mir vor⸗ ſtelle, muß ſie doch noch etwas Andres ſei.—

„Und was muß ſie ſein, Tosca! wie ſtellſt Du Dir vor, daß die Liebe ſein müſſe?“ fragte Ignaz, ganz bereit auf ihre Vorſtellung einzugehen.

„Ignaz!“ ſagte Tosca ungeduldig,„ich hab' Ihnen ſchon einmal verboten mich Du zu nennen.“

Ignaz drückte die Zähne zuſammen; aber er ſagte nur: „Nun, Tosca?“

Sie ſtützte ſinnend den Kopf in die Hand, legte feſt und tief ihre prächtigen Augen auf die ſeinen und ſagte langſam: „Die Liebe muß ein unvergänglicher Austauſch von uner⸗ ſchöpflichen und magnifiken Gefühlen ſein.“

Hätte ſie alles Andre geſagt— auch auf die koloſſalſte Sentimentalität, auch auf die höchſte Ueberſpannung wäre Ignaz eingegangen! Er war gefaßt auf irgend eine grandioſe Phraſe der Art. Aber, daß ſie keine leere Phraſe ſagte, ſon⸗ dern die Wahrheit; aber daß ſie auf den Tauſch, auf die Gegenſeitigkeit, die Liebe baſirte: das machte ihn ſtumm.

„Alſo lieben Sie mich nicht,“ ſetzte Tosca nach einer Pauſe hinzu,„und Sie werden früher oder ſpäter zu dieſer Erkenntniß gelangen. Auf morgen, lieber Ignaz, morgen werd' ich ganz geſund ſein.“

Sie wünſchte es lebhaft— um die Geſchäfte zu ordnen! ſprach ſie heimlich. Doch weit lebhafter um Sigismund wie⸗ derzuſehen. Ach, liebt er mich denn wirklich? fragte ſie ſich wol tauſendmal in dieſen Tagen. Aber das war nur nervöſe Unruh. Ihr Herz zweifelte nie. Dieſe innere Gewißheit, welche keines Wortes, keines Zeichens bedarf, ja, zuweilen ſie verſchmäht, erhebt die Liebe zu einer göttlichen Eigenſchaft: