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Ilda Schönholm / von Ida Gräfin Hahn-Hahn
Entstehung
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hat, ſo iſt die linde Luft wie ein Gruß, durch welchen die Natur ihm ſagen läßt:Ich bin dir gut, du liebes Kind meiner Elemente! verwirf nur nicht die Verwandtſchaft mit mir, denn ſiehe, wenn dein Vater dir ernſt und ſtreng iſt und dich durch eine ſchwere Schule gehen läßt, ſo bin ich ja da wie eine treue Mutter, der ins Auge zu ſehen Troſt und Erquickung iſt. Darum lieben alle Menſchen, die viel gelitten haben, die Natur ſo ſehr, weil ſie ihnen gütig iſt wie eine Mutter, die des Vaters Strenge minder fühlbar machen mögte. Sie haben eine Sehnſucht, einen Drang zu ihr, der Manchen unbegreiflich, Andern übertrieben oder lä⸗ cherlich erſcheint; aber was wiſſen ſie denn von den Liebes⸗ ſchätzen, mit denen eine Mutter ihr leidendes, troſtbedürftiges Kind überſchüttet?

Ilda ging an einer Kirche vorbei, durch deren geöfnete Thür ein heißer Stral der Abendſonne auf ein Madonnen⸗ bild mit herrlichen Blumen geſchmückt wie eine Vergoldung fiel. Sie betrat die Kirche und fand ſie leer; nur eine Be⸗ terin lag kniend vor dem Altar dieſes Bildes, den Rücken Ilda zugekehrt, in der Stellung der höchſten Andacht. Und doch war in der prächtigen Geſtalt, mit den ſchönen, nicht ſehr verhüllten Schultern, und mit der ungewöhnlichen Zier⸗ lichkeit des Anzugs, etwas ſo Weltliches, daß Ilda unwill⸗ kürlich dachte:Dieſe Magdalene wird große Sünden zu büßen haben. 4

Ilda ſetzte ſich auf den Stufen des Chors nieder, ur⸗ ſprünglich in der Abſicht, das Antlitz der ſchlanken Beterin zu ſehen; da es aber von einem blaßrothen Hut ganz ver⸗ ſteckt war, ſo vergaß ſie ihre Abſicht, und die Gedanken nah⸗ men ihren gewohnten Lauf. Das Kirchlein voll Weihrauch⸗