Druckschrift 
Ilda Schönholm / von Ida Gräfin Hahn-Hahn
Entstehung
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da ich Inſpruck, München, und alle bedeutende Städte kenne, die ich auf meiner Heimreiſe berühre, ſo werd' ich mich nirgends lange aufhalten, z. B. in München nur: um die Pinakothek kennen zu lernen und mit meinem ge⸗ liebten Adonis von Thorwaldſen ein Liebeswörtchen zu plaudern; in Nürnberg: um Lebkuchen für Deine Kinder zu kaufen und um mich zu erquicken an dieſer in Stein ausgehauenen Blüte der deutſchen Städtezeit. Das iſt das Angenehme beim vielen Reiſen: man ſieht nicht, was der Guide und der Lohnlakey uns empfehlen, ſondern das, was uns anſpricht.

Ich habe viel Euch zu erzählen und zu zeigen, und ich hoffe auch viel zu hören. Sollte Ondine mir zür⸗ nen, daß ich ihren Brief vom November erſt im Junius beantwortet habe? Nun, das wird ſich Alles bald aus⸗ gleichen. Bis dahin küſſe ich ſie und die Knaben, und drücke Deine gute, feſte Hand. Wenn ich Euch nicht hätte, wie viel ginge mir verloren! Ade, lieber Menſch! Ich ſchreibe Dir vom Unwetter umtobt, im wüſten Zim⸗ mer eines unſaubern Tyroler Gaſthofes, nachdem ich heute ſchon dem Himmel ſehr viel näher geweſen bin, als Du, nämlich 8000 Fuß über dem mittelländiſchen Meer auf dem Wormſer Joch, dieſem koloſſalſten aller Alpen⸗ päſſe. Deutſchland hat mich ſogleich mit dem unfreund⸗ lichſten ſeiner Abgeſandten, dem Nordwind, empfangen, der eben, wie der Arm eines böſen Geiſtes, mein Fen⸗ ſter aufriß. Ich finde, Dentſchland könnte graziöſer ſein für eine ſeinerberühmten Frauen, um ſo mehr, da ich es im Lauf des Winters mit einem ſehr intereſſanten Album erfreuen werde. 8