genau auch ſehen, wenn wir in unſerm heimatlichen Dörf⸗ chen bleiben.“
„Und warum ſind Sie nicht in dem Ihren geblieben?“
„O, ich! ich bin Künſtler! ich muß in den ewig wech⸗ ſelnden Formen die Offenbarung der Schönheit ſuchen und finden lernen.“
„Sehen Sie woll! weder Sie noch irgend Einer mag ſich mit dem heimatlichen Dörfchen begnügen. Der Gelehrte ſagt: ich muß meine Wiſeenſchaft bereichern; der Staats⸗ mann: ich muß mich erholen von dürren Geſchäften; der Di⸗ plomat: ich muß fremde Höfe und Kabinette in der Nähe obſerviren; der Soldat: ich mögte gern wiſſen ob die Pe⸗ ſcherähs auch eine Idee von Fortification und Taktik haben; und jeder Mann: ich muß die Welt ſehen. Die Frauen, die ſich emancipiren ſo gut ſie können, wollen auch die Welt ſe⸗ hen, nicht um Taktik, Kabinette, Bibliotheken und Muſeen zu ſtudiren, ſondern um ſich zu amüſtren— und ein Grund iſt ſo gut wie der andere.“
„Und warum wollen Sie die ganze Welt ſehen?“
„Die Griechen nannten den einen Unglückſeligen, der den olympiſchen Jupiter nicht geſehen. Ich bin ungefähr ih⸗ rer Meinung, und mag nicht zu den Unſeligen gehören, die nie das Schneegebirge im Abendroth und das Koliſeum im Mondlicht erblickt haben, nie den St. Stephan, und Ma⸗ donnen von Rafael und Bettelbuben von Murillo.“
„Und nie Thorwaldſen und andere Unſterbliche der Mitwelt.“
„Nun, Thorwaldſen gewiß ausgenommen, dieſen liebens⸗ würdigſten und wolwollendſten aller Menſchen„— im All⸗ gemeinen ſollte man nicht die perſönliche Bekanntſchaft ſolcher


