Kutbeddin und Guͤlruch. 305
In dem Maaße wie ſie heran wuchs, wuchs auch ſeine Liebe zu ihr, und ſtieg allmaͤhlich aufs hoͤchſte. So bald er nur einen Augenblick von ihr entfernt war, ſehnte er ſich ſchon wieder nach ihr: kurz, er konnte nicht mehr leben ohne Guͤlruch. Der Vater und die Mutter dieſer reizenden Tochter liebten ſie auch ſehr zaͤrtlich; und ſie haͤtten wohl gewuͤnſcht, ſie um ſich zu haben: aber die Furcht, dem Koͤnig zu misfallen, hielt ſie ab, ihn um ſeine Einwilligung zu bitten.
Es geſchah eines Tages, als Kutbeddin mit eini⸗ gen ſeiner Bey's ſich beim Mahle guͤtlich that, daß er ſich berauſchte; und in dieſer Trunkenheit erblickte er die junge Guͤlruch, wie ſie unſchuldig mit einem Hof⸗ knaben ſcherzte. In der Wuth der Eiferſucht uͤber die⸗ ſen Anblick, ließ er ſogleich den Scharfrichter rufen, und ſagte zu ihm:
„Geh hin, haue Guͤlruch den Kopf ab, und bringe ihn mir in mein Zimmer.“
Der Scharfrichter fuͤhrte das ungluͤckliche Schlacht⸗ opfer aus dem Palaſt, um ſie zu enthaupten. Einige Stunden darnach kam er mit einem bleichen und blu⸗ tigen Haupte zuruͤck, und erſchien ſo vor dem Koͤnig, der zu ihm ſprach:
„Nimm dieß Haupt mit; ich bin mit dir zufrieden, du ſollſt ein Ehrenkleid haben, weil du meinen Befehl ſo gut ausgerichtet haſt.“
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