Der Möoͤnch und der Muſelmann. 289
„Ich dachte wohl, meine Liebe,“ ſagte der König zu ihr,„daß du die Sache ſehr luſtig finden wuͤrdeſt.“
„Ja, das luſtigſte dabei iſt,“ verſetzte die Koͤniginn, „daß dein Doctor dich zum beßten gehabt hat.“
„Das iſt nicht moͤglich,“ erwiederte der Koͤnig.
„Schicke auf der Stelle hin und laß den Moͤnch her holen,“ fuhr die Koͤniginn fort,„mehr will ich jetzo nicht daruͤber ſagen.“
Der Konig befahl ſogleich einem ſeiner Beamten, in der Stadt nachzuforſchen, ob der Moͤnch noch da waͤre. Man fand ihn im Begriff heim zu gehen, und
fuͤhrte ihn vor den Koͤnig und die Koͤniginn.
„Chriſt,“ ſprach die Fuͤrſtinn zu ihm,„unſer Ge⸗ lehrter hat zwar den Sinn deines Raͤthſels errathen: aber wir wuͤnſchten wohl, daß du ſelber es uns noch erklaͤrteſt.“—
„O Koͤniginn,“ ſagte der Moͤnch:„als ich meine fuͤnf Finger aufhub, bedeutete das:„ſind die fuͤnf Ge⸗ bete, welche ihr Muſelmaͤnner verrichtet, aus Gottes
Gebot?“ Da zeigte mir euer Doctor die Fauſt, und wollte damit ſagen:„Ja, das ſind ſie, und ich bin bereit, es zu behaupten.“ Als ich darauf meine Fin⸗ ger wieder ſenkte, fragte ich ihn:„Woher koͤmmt es, daß der Regen auf die Erde faͤllt?“ Und er antwor⸗ tete mir ſehr treffend durch Aufheben ſeiner Finger: es regne, damit das Gras aufſprieße und alle Fruͤchte der X. 19


