587. Tag.
„Aber,“ erwiederte ihr Sahidé,„welche Gewißheit kannſt du mir uͤber die Wahrheit deiner Erzaͤhlung ge⸗ ben? Du haſt Verſtand; wer verbuͤrgt mir, daß du ſie nicht erfunden haſt, um Erkenntlichkeit von mir zu fordern?“
„Vollende, Grauſamer, vollende, meine Schmach!“ unterbrach ſie die Sklavinn, indem ſie einen Strom von Thraͤnen vergoß; lege mir Geiſtesgaben bei, um mir Laſter anzudichten. Die wahre Liebe iſt unfaͤhig zu luͤgen; du kennſt ſie nicht; du liebſt nur, mir wehe zu thun: aber ich weiß, mich zu raͤchen!— Wie ungluͤcklich bin ich!“ rief ſie dann wieder aus:„ver⸗ geblich alſo, du Treuloſer, habe ich, um dich zu be⸗ friedigen, ein Geheimnis erforſcht, welches ich nicht
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haͤtte durchdringen ſollen; vergeblich habe ich es dir
verrathen; ich ſehe wohl, du wirſt die Treuloſigkeit ſo weit treiben und der Prinzeſſinn entdecken, was ich dir anvertrauet habe, und ohne Bedauern wirſt du ein Maͤdchen ſterben ſehen, welche dich anbetet. Aber ich will dich ſchon verhindern, ſie wieder zu ſehen. Ich hoffte, du wuͤrdeſt mir wenigſtens die letzten Augen⸗ blicke deines Bleibens in dieſem Garten ſchenken, wel⸗ cher fortan nur ein Ort des Abſcheus fuͤr mich ſein wird. Liebſt du die Prinzeſſinn, ſo ſoll ein Wort, das ich dir ſagen will, dich eben ſo ungluͤcklich machen, wie mich; die Liebe hatte mich verleitet, dir ein Ge⸗ heimnis davon zu machen. Wiſſe denn, daß morgen


