Gülſum und der Geiſterkoͤnig. 299
Muna huͤtete ſich wohl, ihres eigenen Vortheils wegen, Sahidé auch zu ſagen, daß derjenige, der ſo enthaltſam waͤre, drei Tage hindurch den Lockungen des Gartens zu widerſtehen, ſich das Recht erwuͤrbe, die Prinzeſſinn Suluſch zu heirathen.
„Dieſe Vorſchlaͤge wurden angenommen; der Gei⸗ ſterkdnig hatte hier bald alles ſo eingerichtet, wie es deinen Augen erſchienen iſt, und um die Fremden her⸗ bei zu ziehen, ließ er in der Stadt Medhuſchan ausru⸗ fen, daß, wer Wunder ſchauen und uͤberſchwaͤngliche Freuden ſchmecken wollte, ſich in den Korb ſetzen ſollte. Eine ſolche Verheißung hatte bald von allen Seiten Neugierige herbei gelockt, deren Menge ſchwerlich zu zaͤhlen ſein moͤchte. Der Geiſterkoͤnig fuͤhrte alſo, mit Zuſtimmung des Reichsrathes, ſeinen Entwurf aus; Suluſch wurde den Armen ihrer zaͤrtlichen Mutter entriſſen, und den Freuden des Gartens uͤberliefert; und Guͤlſum war von tiefem Schmerz durchdrungen, als ſie die naͤheren Umſtaͤnde von den naͤchtlichen Fe⸗ ſten ihrer Tochter vernahm. Der Geiſterkoͤnig ent⸗ fernte ſich, um den Vorwuͤrfen zu entweichen, womit ſie ihn uͤberhaͤufen wollte; ſie bezeigte den Mitgliedern des Reichsrathes ihren Unwillen: dieſe aber entſchuldig⸗ ten ſich mit der Wohlfahrt des Staats; und als die edle Koͤniginn ſah, daß ihr Ungluͤck nicht abzuwenden war, ſo konnte ſie es nicht uͤberleben, und ſtarb, nach⸗ den ſie eine zeitlang hin geſchmachtet war.


