Schahadildin von Damask. 47
dieſem Fuͤrſten beſtimmte Nachfolger bereitete ſich ſchon zur Abreiſe; als Ueberbringer des Firmans,*) welcher denjenigen verurtheilte, deſſen Stelle er einnehmen ſollte, ſollte er von der Haͤlfte der Leibwache des Cha⸗ lyfen begleitet werden. Niemand ſprach zu Gunſten Sineb⸗il⸗Muraths, und er hatte in Bagdad alle ge⸗ gen ſich, von dem Mufti bis zu den Muͤeſins; 2*) von dem Oberhaupte der Polizei bis zu deſſen niedrig⸗ ſten Beamten.
Der Chalyf, ſonſt ein Herr von ruhiger Gemuͤths⸗ art, und geneigt zur Billigkeit, ließ ſich von der Ge⸗ walt der rings um ihn herrſchenden Leidenſchaften fort⸗ reißen. Zuruͤckgezogen in das Innere ſeines Palaſts, deſſen kleine Angelegenheiten hinreichten, ſeine Auf⸗ merkſamkeit zu beſchaͤftigen, bedurfte es ſtaͤts eines außerordentlichen Anlaßes, ihn zu erwecken, und ihm ſeine Thatkraft wieder zu geben.
Seine einzige Tochter war nicht ſowohl krank, als hinwelkend; beſonders mangelte es ihr an Eßluſt.
„Aber, liebe Tochter,“ ſprach ihr Vater zu ihr, „du ſollteſt eſſen; ſinne doch auf etwas, wozu du wohl Luſt haͤtteſt.“—
*) Befehl des Chalyfen.
**) Die auf den Thürmen der Moſcheen die Stunden des Gebets ausrufen.


