Schahadildin von Damask. 15
Sie ſtellte ſich am folgenden Tage noch vor der Zeit ein, und wurde nur um ſo freundlicher empfan⸗ gen. Die Gebete wurden mit verdoppeltem Eifer und ausgezeichneter Inbrunſt wiederholt.
„Mein armer Bruder!“ ſagte von Zeit zu Zeit der Armenier mit geruͤhrter Stimme:„ich haͤtte nim⸗ mer erwartet in einer wegen ihrer Sitten ſo verrufe⸗ nen Stadt, wie Damask, ſolchen Troſt zu finden!“
Hamsns verdoppelte bei dieſen Worten, die ihr nicht entgingen, ihre Gebaͤrden der Froͤmmigkeit.
Aber die Stunde des Mittageſſens kam; es war noch erleſener, als geſtern. Gegen das Ende hatte ein vierſchroͤtiger Sklave die Unbedachtſamkeit, eine Flaſche Wein auf den Tiſch zu ſetzen.
„Jladſch⸗Kadahe,“ ſagte ſein Herr zu ihm, „du ſetzeſt die Ehrfurcht aus den Augen, du gibſt der heiligen Frau ein Aergernis.“
Der Afrikaner that, als ob er die Flaſche wieder wegnehmen wollte; meine Urgroßmutter aber ſagte zu ihm:
„Nein, laßt ſie nur ſtehen, fremder Herr; wehe dem, der Aergernis nimmt! Das Verbot Mahomeds betrifft nicht Leute von eurem Alter, ſondern nur ſol⸗ che, die von ungezuͤgelten Leidenſchaften aufbrauſen. Mein Arzt hat mir den Wein als Arzenei verordnet, ſeitdem ich an Magenſchwaͤche leide: aber ich wuͤrde


