298 448. Tag.
Sie hatten auch eine Tochter, ſchoͤn wie der Tag, und dazu geſchaffen, demjenigen, dem ſie zu ſehen ver⸗ goͤnnt war, die heftigſte Leidenſchaft einzufloͤßen: aber kein Mann durfte ſich ihr nahen, und ſie ging nie an⸗ ders aus, als mit einem Schleier bedeckt und in Be⸗ gleitung: ihr Name war Billah⸗Dadil.
Eines Tages als die ſchoͤne Billah⸗Dadil von Sklavinnen begleitet ins Bad ging, wurde ſie gend⸗ thigt, ſich hinter einen Pfeiler zu fluͤchten, welcher das Thor eines Palaſts in der Mitte ſtuͤtzte, um ſich dem Gedraͤnge von Pferden und Kameelen zu entziehen, welche eben die Straße verſperrten.
Der ſchoͤne Sultan Shaſſa⸗Rikdin, Sohn des Koͤnigs von Samarkand, der mit ſeinem Gefolge auf die Jagd ritt, ſah ſich ebenfalls von den Kameelen ei⸗ ner ganzen Karavane aufgehalten. Die Bewegungen, welche er machte, die Hitze ſeines Roſſes zu baͤndigen, gaben ihm Gelegenheit, alle ſeine Geſchicklichkeit und ſeine Schoͤnheit vor den Augen der Tochter Shamak⸗ da's zu entfalten, auf welche er von Stund' an einen ſo lebhaften Eindruck machte, daß ſie daruͤber gaͤnzlich ihre Ruhe und Freiheit verlor.
War es eine reine Wirkung der Liebe? Ich kann es nicht glauben; mir muß alles bei Abenteuern ver⸗ daͤchtig ſein, in welchen wir unſern abſcheulichen Ver⸗ folger unter einer neuen Verlarvung werden auf den Schauplatz treten ſehen.


