Der Sohn Kebals. 377
Einige Zeit nach ſeiner Heimkehr, gab Kebal ſei⸗ nem Hausgeſinde einen Hammel und mehrere Kruͤge Weins zum Beßten, und ſagte dabei:
„Erfreuet euch dieſe Nacht, und feiert meine gluͤck⸗ liche Heimkehr ins Vaterland; aber ich fordere von euch einen großen Dienſt: ein heimlicher Feind trachtet mir nach dem Leben, ich werde ihn dieſen Abend in mein Haus locken; um die vierte Stunde der Nacht wird er die Treppe meines Zimmers herabſteigen, ſobald ihr ihn kommen hoͤret, ſo erdolchet ihn.“
Als nun dieſe Stunde gekommen war, befahl Ke⸗ bal ſeinem Sohn, in den Hof zu dem Hausgeſinde hinab zu ſteigen und einen davon zu rufen. Der Juͤng⸗ ling war im Begriff die verhaͤngnißvolle Treppe zu be⸗ treten, als ſeine ſtaͤts argwoͤhniſche Gattinn, ihn aufhielt, und ihn beſchwur, einen Auftrag nicht aus⸗ zufuͤhren, in welchem ſie etwas Unheimliches ahndete, und fuͤhrte ihn mit ſich hinweg.
Unterdeſſen war Kebal von wechſelnden Leidenſchaf⸗ ten bewegt: als eine halbe Stunde vergangen war, ohne daß er den Erfolg ſeiner Treuloſigkeit vernommen hatte, wollte er wiſſen, ob ſeine Leute endlich ſeine Rache vollſtreckt haͤtten. Da er nun raſch die Treppe herab ſtieg, und diejenigen, denen er ſeine Befehle ge⸗ geben, bis dahin noch niemand die Treppe herabkom⸗ men gehoͤrt hatten, zweifelten ſie nicht, daß es ihr


