Seineb. 353
Ich bekenne, daß das Schickſal dieſer beiden un⸗ ſchuldigen Schlachtopfer mich immer empoͤrt hat, und ich meine nicht, daß die Gewalt eines Sultans hoͤher ſtehe, als die der Liebe und der Ehe.“
„Ich denke, wie du,“ ſagte hierauf der Fuͤrſt ganz geruͤhrt:„wir haben keine rechtmaͤßige Gewalt uͤber zwei Herzen, die ſich lieben. Eine Frau gehoͤrt ihrem Manne vor allen anderen an; und wie groß auch die Leidenſchaft des Sultans ſein mag, ſie muß der ge⸗ genſeitigen Liebe weichen.“
„Beherrſcher der Glaͤubigen,“ rief jetzo die Prin⸗
zeſſinn aus,„ihr haͤbt einen eurer Weisheit und
Guͤte wuͤrdigen Ausſpruch gethan: Sehet hier die Gattinn und den Gatten, von denen ich eben geredet bahes und ihr ſeid der wohlwollende Fuͤrſt, der alles Unrecht wieder gut macht, welches man ihnen an⸗
thun wollte. Dieſe Sklavinn, der ihr nicht zu gefal⸗
len vermochtet, iſt die rechtmaͤßige Gattinn desjenigen, den ihr hier unter Kleidern ſehet, welche ſeinem Ge⸗ ſchlechte nicht zukommen. Der Schmerz und Liebe haben ihn dahin gebracht, die Geſetze des Harems zu verletzen: ihr werdet ihm verzeihen, daß er ſo treu und gefuͤhlvoll geweſen, und euch fuͤr den edelmuͤthig⸗ ſten Fuͤrſten des Morgenlandes geachtet hat.“ Numan und Seineb ſanken, zitternd und vernich⸗ tet, zu den Fuͤßen des Chalyfen, der von den zum IV. 23


