Kalaf und Turandokt. 15
klarem Waſſer beſchattete. Er bemerkte auch andere mit erſtaunlich großen Fruͤchten beladene Baͤume.
Entzuͤckt uͤber dieſe Entdeckung, eilte er zuruͤck, um ſie ſeinem Vater und ſeiner Mutter zu verkuͤndi⸗ gen; welche dieſe Nachricht mit um ſo groͤßerer Freude vernahmen, als ſie daraus ſchloſſen, daß der Himmel anfinge mit ihrem Elend Erbarmen zu haben.
Kalaf fuͤhrte ſie nun zu der Quelle, wo ſie alle drei ihr Geſicht und ihre Haͤnde wuſchen, und den heißen Durſt loͤſchten, der ſie verzehrte. Hierauf aßen ſie von den Fruͤchten, welche der Prinz hinging zu pfluͤk⸗ ken, und die, bei ihrem dringenden Beduͤrfniſſe der Nahrung, ihnen vortrefflich ſchmeckten.
„Herr,“ ſprach Kalaf zu ſeinem Vater,„ihr ſehet jetzo die Ungerechtigkeit eures Murrens, da ihr euch einbildetet, daß der Himmel euch verlaßen haͤtte. Ich habe ſeine Huͤlfe angefleht, und er hat uns geholfen: er iſt nicht taub fuͤr die Stimme der Ungluͤcklichen, welche volles Vertrauen auf ihn haben.“
Sie verweilten zwei oder drei Tage bei der Quelle, um ſich auszuruhen und ihre erſchoͤpften Kraͤfte zu er⸗ ſetzen. Darnach verſahen ſie ſich mit Fruͤchten, und wanderten fuͤrder auf der Ebene hin, in der Hoffnung, zu irgend einem bewohnten Orte zu gelangen.
Ihre Hoffnung wurde nicht getaͤuſcht: ſie erblick⸗ ten bald vor ſich eine Stadt, welche ihnen groß und präͤchtig gebaut erſchien. Sie naͤherten ſich derſelben,


