Kalaf und Turandokt. 7
ihm nachzuſetzen. Aber Kalaf entging ihrer Verfol⸗ gung, indem er Wege einſchlug, welche ihnen unbe⸗ kannt waren; und kurz, er kam wenige Tage nach der Schlacht an dem Hofe ſeines Vaters an, wo er durch die Verkuͤndigung ſeines Ungluͤcks Trauer und Schrecken verbreitete.
Wenn dieſe Nachricht ſchon den Timurtaſch be⸗ truͤbte, ſo ſetzte ihn die bald darauf folgende vollends in Verzweiflung. Ein aus der Schlacht entronnener Befehlshaber kam ihm zu ſagen, daß der Sultan von Karisme faſt alle Nogais uͤber die Klinge ſpringen la⸗ ßen, und in ſtarken Tagemaͤrſchen heranruͤckte, ent⸗ ſchloſſen, das ganze Geſchlecht des Chans zu vertilgen und das Volk ſeiner Botmaͤßigkeit zu unterwerfen.
Den Chan gereute jetzo, daß er den Zins verſagt hatte; aber, wie das Arabiſche Sprichwort ſagt: „Was frommt die Reue, nach der Zerſtoͤrung der Stadt Baßrar“*) da die Zeit draͤngte, und man ſich retten mußte, um nicht dem Sultan in die Haͤnde zu fallen, ſo nahm der Chan, ſeine Gemahlinn El⸗ maſe,**) und Kalaf alles Koͤſtlichſte aus ihrem
») Baßra, ſonſt Baſſora oder Balſora, am Tigris unweit ſeines Ausfluſſes in den Perſiſchen Meerbuſen: erſt im J. 656 nach Chr. vom Chalifen Omar erbauet. H. *r*) Elmaſe bedeutet Diamant.


