Erinnerungen. 5
an den höchſten Spitzen der Berge rechts und links von der Straße eine kleine ſonnige Vergoldung zeigte, ging es eben fort oder doch nur ſanft anſteigend. Nach ein paar Stunden aber ward es ſteiler und immer ſteiler, der Wagen ſchwankte leicht dahin, er hatte rechts eine hohe Felswand, links einen tiefen Abgrund, in dem man hie und da ein grünes, luſtiges Bergwaſſer glitzern ſah und es immerwäh⸗ rend rauſchen hörte. Der Poſtillon ging neben dem Wagen her, er band eine neue Schnur an die Spitze ſeiner Peitſche und dann verſuchte er dieſelbe mit einem ſo lauten Klat⸗ ſchen, daß es in den Bergen wiederhallte. Hierauf brach er ein Blatt am Wege ab, ſteckte den Stiel deſſelben in den Mund und trieb dann ſeine Pferde auf's neue an. Dieſe ſtiegen aufwärts, immer aufwärts; die Sonne ſenkte ſich langſam an der ſteilen Felswand hinab, und wo die Schlucht ſehr breit war, beſtrahlte ſie ſchon da und dort freundlich ein Stück des Weges. Um ſo größer war dann aber auch der Contraſt, wenn der Wagen nun plötzlich in einen der kühlen, finſteren Felstunnels einfuhr, wo die Hufe der Pferde, das Knirſchen der Räder ſo eigenthümlich hohl klang, wo man ſo deutlich die kalte Luft ſpürte, wo an den feuchten Wänden das Waſſer herunter ſickerte. Darauf freute
man ſich doppelt am wiedergewonnenen Sonnenſchein. Uas.
ſo ging es fort, Stunde um Stunde. Der Tannhäuſer war ausgeſtiegen und ſchritt hinter dem Wagen drein, anfänglich allein; die Fürſtin liebte es


