Teil eines Werkes 
1. Bd. (1860)
Entstehung
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Straßenwanderung. 9

die Erſteren blicken meiſtens ſehr melancholiſch auf die Straße, und bei den älteren Jungfrauen eine größere Anzahl derſelben hat wegen Ohren⸗ und Zahnſchmerzen den Kopf verbunden ſieht ein ſcharfer Beobachter häufig einen

gewiſſen Zug freiwilliger Entſagung, der ſich aber bei den

geringfügigſten Veranlaſſungen immer noch in einen Schim⸗ mer der Hoffnung verwandelt. Und auch hier vernimmt man Muſik, und viel Muſik durcheinander, unten Violine, in der Mitte Klavier, oben Geſang.

Ach, wenn du wärſt mein eigen, Wie lieb ſolltſt du mir ſein!

Wenige Männer bemerkt man in dieſer Straße, und alle, die wir ſehen, haben ein gedrücktes, gebeugtes, pen⸗ ſionirtes Ausſehen, die Mehrzahl unter ihnen trägt gelblich gewordene weiße Halsbinden, und kann es immer noch nicht laſſen, zuſammengefaltete Papiere, die wie Akten ausſehen,

im Rockſchooße oder unter dem Arme zu tragen. Alle aber,

obgleich ſie gar nichts mehr zu thun haben als Morgens aufzuſtehen und Abends ſich zu Bette zu legen, werden doch bei gewiſſen Tagesſtunden von einer quälenden Unruhe be⸗ fallen; ſo Morgens um acht Uhr, beim Beginn der Kanzlei⸗ ſtunde, wo ſie kaum in ihrem dürftigen Zimmer zu bleiben vermögen, namentlich aber Mittags um zwölf, wo ſie jeder noch ſo ſehr nach einer andern Richtung hin unternommene Spaziergang vor jenes große Gebäude führt, welches in