306 Unverheirathete Cheleute.
ſollſt Deinen Willen haben! Natürlich, wie immer; ich reite nicht ſpazieren, wenn Du es nicht wünſcheſt.— Ich bin ſchon dal ich bin ſchon da! Man wird das ſo allmälig bei Dir gewohnt, daß man gar keinen eigenen Willen mehr haben kann.— Gar keinen eigenen Willen mehr.
General(ernſt und ruhig). Hektor, es wäre beſſer, wenn Du mich nicht obendrein zu reizen ſuchteſt!
Zaron. Ich Dich reizen?— Gott ſoll mich bewahren!— Fällt mir nicht ein, ich muß genug hören, ohne daß man Dich reizt.— Nun, hier bin ich; was ſoll's weiter?— Das muß ich Dir ſagen, Eugen, ich bin eigentlich kein Kind und wenn Du glaubſt—
General(beeſtimmt). Setz' Dich!
Zaron. Ja, das kann ich auch thun— Warum nicht?
(Setzt ſich auf die linke Seite, der General auf die rechte.)
(Pauſe.)—
General(ſpringt heftig auf, ſehr laut). Hektor, was hab' ich hören
müſſen?(Sich faſſend). Doch nein, ich will mich mäßigen, die Sache iſt
zu wichtig.(Setzt ſich wieder nieder)] Du wirſt die Güte haben, mir zu antworten. 8
Baron. Das kann ich ſchon thun, es kommt mir nicht darauf an.
(Ganſe.). General. Ich habe Dich, meinen Bruder, geſtern gebeten, an
meinen beiden geliebten Kindern an ihrem wichtigſten Tage Vaterſtelle zu vertreten. Weißt Du, was das heißt, Vaterſtelle zu vertreten. BZaron. Ich habe nur einen ſehr undeutlichen Begriff davon. General. Das weiß Gott!— Ich bat Dich, meine Kinder zum Altar zu führen, und dort bei ihrer Verheirathung gegenwärtig zu ſein, bei ihrer Verheirathung mit zwei Männern, die ich für meine Töchter ausgeſucht.— Haſt Du meinen Wunſch, meinen Auftrag vollzogen? Baron(uckt die Achſeln). 8 General(ſehr laut). Nein, das haſt Du nicht gethan?— Du haſt dieſen wichtigen und ehrenvollen Auftrag, den ich Dir ertheilt, nicht vollzogen! Du haſt gegen mich conſpirirt, Du haſt durch dieſe Unterlaſſung, durch dieſe Falſchheit gegen mich namenloſes Unglück, ja Schande über mein Haus gebracht. Baron. Ohl! oh!


