Ein erſter und ein letzter Ball. 17
beſonders, da, wie die Aerzte ſich auszudrücken pflegen,„das Uebel ſeinen gewöhnlichen und richtigen Verlauf nahm.“ Der Kanzleirath durfte aus dem Wagen die Treppe hinauf drei Paar Ueberſchuhe und drei Kapuzen tragen, nachdem er vorher ermahnt worden, nicht auf die Volants zu treten. Oben durfte er die Mäntel und Halstücher in Empfang nehmen, und ſich dafür eine Kummer einhändigen laſſen, während Mama Schmerbeling die Anzüge ihrer Töchter muſterte, und von dem Gefühle hoher
Selbſtzufriedenheit beſeelt war. Darauf nahmen Mutter Kanzlei⸗
rath und Eliſe, die das Ding ſchon gewohnt waren, ihre Ball⸗ mienen an. Mama ſchloß ihre Augen zur Hälfte und verzog ihren Mund zu einem ſüßen und angenehmen Lächeln. Die ältere Tochter ſpielte die Unbefangene, wandte den K opf etwas kokett und ſchwanenhaft hin und her, und ging auf den Ballſaal los, wie ein Offizier, der ſchon viel Pulver gerochen, gegen eine feindliche Batterie. Der kleine Backfiſch dagegen, der hintendrein kam, fühlte jetzt zum erſten Mal, daß die Taille ſeines Kleides doch um eine Nummer hätte weiter ſein dürfen. Es war der Kleinen etwas beklommen zu Muth und ſie athmete kürzer und mühſamer. Doch nahm ſie ſich auf einen aufmunternden Blick der Mutter zuſammen, hob das Köpfchen lächelnd in die Höhe und ſchwänzelte zierlich und angenehm in den Ballſaal hinein. Von Vater Kanzleirath iſt in dieſem wichtigen Augenblick nur zu bemerken, daß er vor der Saalthür ſeine Uhr hervorzog, und als ſie auf achte zeigte, in der Geſchwindigkeit als guter Kopf⸗ rechner überſchlug, daß es bis morgen früh um drei Uhr ſieben ſehr lange Stunden ſeien. Doch nur einen Augenblick dachte er daran; ſobald ſich die Thüre hinter ihm ſchloß, war er wieder ganz Vater geworden, SHackländer, Kr. u. Fr. II. 2 8


