2 Die Dame von Rittwitz
dieſer Welt eine Steigerung geben, man muß ein Intereſſe haben immer weiter vorzudringen, und es ergeht uns hierin imme noch wie den Kindern, deren größtes Vergnügen darin beſteht ſich das Beſte bis zuletzt aufzuſparen.
An das Vorzimmer ſtößt ein kleines Kabinet, ſchon wohn licher und behaglicher. Die Stühle haben ſich in Seſſel verwan delt, die einfache Carcell⸗Lampe in der Mitte dorten iſt hier zu einem kleinen Kronleuchter geworden, dunkle Vorhänge rahmer das Fenſter ein, und vom hölzernen Fußboden ſind wir au einen einfachen Teppich gekommen. Der Schreibtiſch am Fenſte könnte uns ſagen wollen, wir befinden uns in dem Schreibzim mer des Bewohners dieſes Parterreſtockes; doch belehrt uns das Weſen, ſowie das Aeußere der Perſon, welche davor ſitzt und eine Menge Briefe in bereit liegende Couverts ſchiebt und dieſe zuſiegelt, daß wir es mit dem Kammerdiener des Hausherrn zu thun haben. Dieſer Kammerdiener iſt ein älterer Mann mit grauen Haaren, ſchwarz und ſehr ſorgfältig, ja faſt feſtlich ge⸗ kleidet, mit weißer Weſte und weißer Halsbinde. Er ſitzt gebückt über ſeiner Beſchäftigung, vergleicht genau die Briefe mit den Adreſſen auf den Umſchlägen, bevor er ſiegelt, und macht ein einigermaßen trauriges Geſicht, wozu noch kommt, daß hie und da, wenn er das Petſchaft aufdrückt, ein Seufzer ſeiner Bruſt entfährt. Jetzt ſchichtet er die fertigen Couverts zuſammen, löſcht das Licht und legt darauf den Kopf gedankenvoll in die Hand, ſchaut einen Augenblick zum Fenſter hinaus, ſieht dann auf die vor ihm ſtehende Uhr und ſchüttelt leicht mit dem Kopfe.
„Das dauert lange,“ murmelte er vor ſich hin.„Hätte
gedacht, ſie würden Alles gethan haben, um eine für Beide
inliche Ceremonie abzukürzen. Thut mir leid, daß ich das 1


