Teil eines Werkes 
2. Bd. (1850)
Entstehung
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Frau in ihrem Lehnſtuhl und zu ihren Füßen auf einem— niederen Schemel ſah ich meine Nichte Emma, welche ihren Kopf auf die Knie der alten Frau gelegt hatte

und das Zucken ihres Körpers verrieth, daß ſie heftig geweint, ihre Haarflechten waren aufgegangen und lang

und golden fielen ſie über ihre Schultern herab. Ma⸗

dame Stieglitz hielt mit einer Hand einen Brief hinter

das Licht, um ihn deutlich leſen zu können, und das,

was ſie las, mußte für ſie ſehr ergreifend ſein, denn

das Papier zitterte und während dem Leſen legte ſie ihre

andere Hand auf das blonde Haar des Mädchens, ſie

feſt an ſich drückend. Jetzt ließ ſie eſt Brief fallen, 3 ſchüttelte finſter mit dem Kopf und dann beugte ſie ſich zu Emma herab, hob ihr Geſicht ſanft am Kinn in die G Höhe und ſagte„mein gutes armes Kind.“

„Nicht wahr,“ ſagte das Mädchen ſchluchzend und küßte zhre Hand,„nicht wahr, Sie glauben nicht, daß ich etias Unechtes gethan.“

„Nein, mein Kind,“ tröſtete ſie die alte Frau,„ich hätte ſchon Deiner wahrhaften Erzählung über den Vor⸗ fall geglaubt, und nun erſt der Brief, den Du mir ge⸗

— geben;— wann haſt Du ihn von dem Doktor er⸗ halten?“ „Es war nicht lange nachher, als ich in Ihr Haus kam.“ 41

„Ganz richtig, ungefähr vier Wochen vorher verließ

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